Der Verein NETSTAP e. V.

Der Verein NETSTAP e. V.

NETSTAP e. V. ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von engagierten Kinder- und Jugendärzten** überwiegend aus niedergelassenen Praxen sowie einigen Kliniken in ganz Deutschland. Wir möchten die medizinische Versorgung und die medikamentöse Therapie von Kindern und Jugendlichen besser und sicherer machen.

Durch NETSTAP werden Ärzte und Medizinische Fachangestellte besonders gut für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in klinischen Studien geschult und sind in Zusammenarbeit mit der Kinderumwelt gGmbH durch ein eigenes, geschütztes Intranet vernetzt.

Wir von NETSTAP machen uns viele Gedanken über sichere und zukunftsweisende Therapieverfahren.

NETSTAP-Gründung

Ausgangspunkt für die Gründung von NETSTAP am Anfang dieses Jahrtausends war die Erkenntnis, dass die klinische Forschung mit und für Kinder(n) in Deutschland, insbesondere bei den niedergelassenen Kollegen noch sehr in den Kinderschuhen steckte. Nur wenige ambulant tätige Pädiater waren an klinischen Studien beteiligt, weil Ihnen die Qualifikation und die strukturellen Voraussetzungen in den Praxen dazu fehlten. Zahlreiche Pharmaka für Kinder, z.B. in der Allergologie, Pneumologie, Infektiologie und vielen anderen Indikationsgebieten waren unzureichend in guten wissenschaftlichen Studien untersucht gewesen – mit der Folge, dass der Off-Label Anteil der Präparate in der Pädiatrie, hier insbesondere der Neonatologie nach wie vor sehr hoch ist. Ebenso steht die ambulante Pädiatrie nicht selten vor dem Dilemma, auf Medikamente im Off-Label-Bereich zurückzugreifen und verhindert im Grunde damit solide pädiatrische Forschung.

Schließlich war und ist das Interesse der Pharmaindustrie an guten wissenschaftlichen Studien für Kinder aus verschiedensten Gründen deutlich geringer als bei Erwachsenen. Häufig wurden und werden immer noch Kinder als kleine Erwachsene betrachtet. Allerdings ist mittlerweile für eine Zulassung auf dem Medikamenten-Markt eine Untersuchung bei Erwachsenen allein nicht mehr ausreichend, sofern ein neues Präparat ebenso einen Nutzen im Kindes- und Jugendalter verspricht. Gemäß einer Vorgabe der EMA sind für Neuzulassungen von Arzneimitteln mit Patent geschützten Wirkstoffen immer Daten aus klinischen Studien mit Kindern vorzulegen. Damit wird es folgerichtig zwingend, entsprechende Kinderstudien durchzuführen.

Historie

1998 Start eines „investigator initiated trial“ zur Sublingualen Immuntherapie (Norddeutsche Multicenterstudie der NAPPA)
2001 Gründung Netzwerk der Kinder- u. Jugendärzte für klinische Studien in der Allergologie und Pneumologie – kurz NETSTAP e.V.
2002 erstes Fortbildungsangebot zur GCP-Schulung. Seitdem bietet NETSTAP in regelmäßigen Abständen 2-3 zertifizierte Fortbildungen pro Jahr an, um Prüfärzte / Prüfarztassistenten gemäß GCP auszubilden.
Seit 2004 wiederholte Präsenz auf diversen Jahrestagungen wie Deutscher Allergiekongress, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sowie regionalen Fachkongressen (NAPPA/NDGKJ/WAPPA/SGKJ), wo neben den NETSTAP-Mitglieder-Versammlungen gelegentliche GCP-Schnupperkurse stattfinden.
2008 Satzungsänderung, um die Voraussetzung zu schaffen, in der Pädiatrie in fundierter Weise praxisrelevante Forschung für einen deutlich breiteren Indikationskreis als bislang initiieren zu können. Seitdem heißt der Verein: Netzwerk der Kinder- u. Jugendärzte für klinische Studien in der Ambulanten Pädiatrie, die Kurzform NETSTAP bleibt erhalten.
2018 Mitglied bei Enpr-EMA (European Network of Paediatric Research) bei der Europäischen Arzneimittelbehörde
2019 erste eigene NETSTAP-Tagung in Friedrichsdorf
2022 zweite NETSTAP-Tagung in Friedrichsdorf
2025 dritte NETSTAP-Tagung in Paderborn

Besonderes Merkmal

Dem Verein ist es wichtig, dass die Mitglieder Einfluss auf Studieninhalte haben. Dies wird im Idealfall damit erreicht, indem bei Planungen für klinische Prüfungen – z. B. seitens eines Pharmaunternehmens – der möglichst frühzeitige Dialog mit dem Netzwerk gesucht wird. Damit soll sichergestellt werden, dass vor allem Studien durchgeführt werden, die für den praktisch tätigen Pädiater und seine Patienten wirklich von Bedeutung sind.

Unabhängige Netzwerke sind gerade für die Pädiatrie von überragender Bedeutung. Dies bleibt als Ergebnis zahlreicher Sitzungen auf europäischer Ebene festzuhalten, nämlich in regelmäßigen Diskussionen bei der Europäischen Arzneimittelbehörde im Verbund des „European Network of Paediatric Research“ (Enpr-EMA), wo NETSTAP seit 2018 Mitglied  und sowohl als multidisziplinäres Netzwerk der Kategorie I gelistet ist als auch bei der internen „Coordinating Group“ (CG) inzwischen beteiligt wird.

Die Gründe für diese besondere Bedeutung sind vielfältig:

  • Zum einen legt im Kontext Zulassungsprüfung von Arzneimitteln das bei der EMA angesiedelte Pädiatrische Komitee (PDCO) unter anderem speziellen Wert auf eine Netzwerkbeteiligung bei klinischen Prüfungen von Medikamenten, deren Zulassung so meist deutlich günstiger beurteilt werden kann.
  • Zum anderen schafft ein Netzwerk aufgrund multilokaler Verzweigung sowie interner Unterstützung erheblich verbesserte Möglichkeiten für eine sichere Rekrutierung, die heute nicht zuletzt wegen teils inflationär gesteigerter Administrationsaufgaben immer schwieriger geworden ist.

Betrachten wir in Deutschland die pädiatrische Studienlandschaft, darf hier vor allem dank langjährig bewährter Organisationsstruktur und verlässlicher Konstanz seit über 20 Jahren festgestellt werden, dass NETSTAP als bundesweites Netzwerk in der Kinder- und Jugendmedizin inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.

** Hinweis: Bei Berufs- oder Funktionsbezeichnungen sind immer alle Geschlechter gemeint, also z.B. Kinder- und Jugendärztinnen bzw. Kinder- und Jugendärzte oder Prüfärztinnen bzw. Prüfärzte.